Filme machen! Die Erkenntnis der Woche…
Normalerweise schreibe ich hier ja eher über Technik, Inspiration und Equipment… In dieser Woche muss ich aber mal ein wenig philosophischer werden. Grund: 2 Bücher und ein Film, die mir in dieser Woche über den Weg liefen.
Los geht´s mit den Büchern. Zuerst wäre da “Die Kunst der Filmregie” von David Mamet. Die Originalausgabe ist aus dem Jahr 1991, ich habe die 5. Auflage gelesen, diese erschien 2009. Eigentlich kann man die gesamte Erkenntnis des Buches auf den alten (nicht negativ gemeint!) Satz von Eisenstein zusammenfassen, in dem er ungefähr sagt: “Film ist eine Kette nebeneinander gestellter, nicht abgewandelter Bilder, durch deren Kontrast die Geschichte im Kopf der Zuschauer weiterentwickelt wird”. Im gesamten Buch beruft sich der Autor auf diesen Ansatz und zeigt sehr deutlich, dass man auf diese Weise Filme machen kann und sollte.
Vor allem eine Sache ist mir im weiteren Verlauf extrem aufgefallen. Mamet sagt, dass, wenn es in einem Film Stellen gibt, an denen der Zuschauer aufhört, selber die Geschichte für sich weiter zu entwickeln, man ihn nur wieder über Tricks zurück gewinnen kann. Dies bis in die letzte Konsequenz weiter gedacht, bedeutet, dass man immer krasser mit diesen Effekten/Tricks werden muss, damit der Zuschauer nicht gelangweilt abwinkt a la “kenne ich schon, ist doch nicht neues” usw.
Aus dem Buch von Mamet:
“Am Ende steht Obszönität. Wir wollen Ihre Geschlechtsorgane sehen; wir wollen den Schauspieler tatsächlich in Gefahr sehen durch gefährliche Stunts; wir wollen das Gebäude wirklich brennen sehen. Im Laufe eines Films zwingt dies den Filmemacher dazu, immer bizarrer zu werden; im Laufe einer Karriere zwingt dies einen Filmemacher dazu, immer ausgeflippter zu werden; im Verlauf einer Kultur zwingt dies in die Degeneration – das ist es, was wir heute haben.”
Eine starke Behauptung, die ich in vielen Punkten nachvollziehen und unterstreichen kann.
Witziger Weise lese ich grade auch ein weiteres Buch, “Professionelle Drehbücher schreiben – Erfolgsmethoden für Film & TV” von Tom Lazarus. Dieses Buch ist aus dem Jahr 2003, mir liegt die Erstausgabe vor. In dem Buch erklärt der Autor, wie man Drehbücher schreiben sollte, die sich auch wirklich verkaufen lassen. Es geht weniger um die reine Technik, mehr darum, wie man kommerziell erfolgreiche Drehbücher schreibt. Darin findet sich auch folgender Absatz:
“Sie müssen die Handlung mit jedem Schritt steigern. Nehmen wir an, Sie wollen einen Liebesfilm schreiben. Die Szenen auf den ersten zehn Seiten sind noch ganz zahm. Beim nächsten Mal schon prickelnder. Die dritte Sexszene stellt ungezügelte Begierde da. Die vierte: pure Lust. Die fünfte: hemmungslose Leidenschaft.
Wenn es sich um eine Kriegsstory handelt, beginnt sie mit einem Hinterhalt, entwickelt sich zu einem Scharmützel, geht zu einem Kampf über, dann zu einer Schlacht und mündet schließlich im Krieg. Und so weiter. Sie wissen Bescheid.
…
Unser Job als Drehbuchautor ist es, den Leser so zu packen, dass er unbedingt die nächste Seite umblättern will – ja, muss! – um zu sehen, was als nächstes geschieht.”
Zwei Autoren mit meiner Meinung nach völlig unterschiedlichem Verständnis davon, wie man Zuschauer fesseln kann. Was lernen wir daraus? Wer Hollywod-Filmen nacheifern möchte, sollte sich wahrscheinlich eher an Lazarus halten. Wer sich seiner moralischen Verantwortung bewußt ist und Filme machen möchte, die den Zuschauer als gleichwertigen Gegenüber empfinden, sollte es wohl eher mit der Methode nach Eisenstein, bzw. David Mamet halten.
Nun zum angesprochenen Film, der für mich wunderbar in die Erkenntnisse aus diesen beiden Büchern passte: Kirschblüten – Hanami. Ein Film aus dem Jahr 2007 mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner von Dorris Dörrie. Ich habe ihn eben zum ersten Mal gesehen und war extrem begeistert, wie dieser Film auf mich wirkte. Eine eigentlich einfache Geschichte über Verlust und Trauer wurde hier ohne viel Schnickschnack grandios dargestellt. Mit vielen kleinen und feinen Bildern, die mich dazu anregten, mir selber Gedanken zu machen. Nicht nur über den Fortgang der Geschichte, sondern auch darüber, was mir der Film sagen kann…
Ich glaube, ich habe in dieser Woche ein wenig mehr heraus gefunden, in welche Richtung ich mich als Filmemacher entwickeln möchte und dies mit Hilfe zweier sehr unterschiedlicher Bücher und einem deutschen Spielfilm. Eine tolle Woche!










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